Portrait
Da Sie das hier lesen, schätze ich, dass Sie nicht nur an meinem
Werk, sondern auch an meiner Person interessiert sind.
Wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann übertreibe ich immer ein
bisschen, dann wird das Portrait vielleicht nicht ganz so öde.
Also los geht’s:
Mein Vater war Mafia Killer. Bekannt wurde er unter dem Namen:
Lorenzo „der Süßwarenvertreter“ Peringuero.
Meine Mutter hielt die Familie zusammen und organisierte das
organisierte Verbrechen, das vorher ganz schön unorganisiert,
- ja, sogar ein rechtes Durcheinander war.
Meine Geschwister waren das Vorbild für das großformatige Ge-
mälde von Alfred Dürer „Die Rissel- Russel- Rasselbande“ das
im Louvre gleich beim Eingang links hängt.
Das „Marianne und Michael Gymnasium“ in Ingolstadt weigerte
sich, aufgrund meines Übertrittszeugnisses, mich in die Hoch-
begabtenklasse aufzunehmen, worauf mein Vater dem Direktor
ein Angebot machte das er nicht ablehnen konnte.
Dooferweise konnte der Direktor die Schrift meines Vaters auf
dem Angebot nicht lesen und erhielt daraufhin ein sehr schön
ruhig gelegenes Grab auf dem Westfriedhof.
„Blut Blut Blut, alles voll von Blut“ lautet seit damals die Inschrift
über dem Portal der Schule.
Nach einer Karriere bei der Bundesbahn, der ich als Flottillenadmiral
den Rücken kehrte, wurde ich Schriftführer, dann Schatzmeister und
schließlich zweiter Vorsitzender beim Stopselclub Buxheim/Tauberfeld,
bis ich mir vom Arbeitsamt eine Umschulungsmaßnahme zum
Kabarettisten bezahlen ließ.
Das Geld war gut angelegt und zeigt Rendite.


